Dienstag, 3. April 2012

„Area 52“ von Rodrigo y Gabriela - eine CD-Review

Ganz gegen meine Vorsätze liegt dieser Blog schonwieder eine ganze Weile auf dem Trockenen und nun melde ich mich mit einem eher untypischen Thema zurück – einer CD-Review. Normalerweise schreibe ich nicht gern über meine Meinung zu Musik, aber das Album „Area 52“ des Gitarren-Duos „Rodrigo y Gabriela“ hat mich so beeindruckt, dass ich meine Eindrücke hier loswerden muss. 


© Rodrigo y Gabriela / www.rodgab.com
„Area 52“ ist das fünfte Studioalbum des mexikanischen Duos Rodrigo Sánchez und Gabriela Quintero. Es ist für den geneigten „RodGab“-Fan ein ebenso ungewohntes wie auch typisches Hörvergnügen der so geliebten Klänge der Gitarrenvirtuosen. Beim Genießen der bisherigen Alben  „Re-Foc“, „Rodrigo y Gabriela“  und „11:11“ begleitete den Hörer stets die Frage „Was? Das sind nur zwei Gitarristen?“
Das Duo versteht es wie kein anderes typische lateinamerikanische Gitarrenklänge mit einer virtuosen perkussiven Verwendung des Gitarrenkörpers so zu kombinieren, dass die Musik wie der einer mehrköpfigen Combo klingt. Die beiden perfektionierten ihr Spiel in den letzten zwölf Jahren so, dass eine beeindruckende Spielweise der akustischen Gitarre entstand, die man nur schwer beschreiben kann. Einfach mal rein hören empfiehlt sich.

 Der feine Unterschied


Photo credit - Tina Korhonen
www.rodgab.com
Was unterscheidet „Area 52“ nun von den „alten“ Alben von „Rodrigo y Gabriela“?
Das Offensichtlichste ist, dass das Duo sich diesmal Unterstützung von dreizehn Musikern geholt. Auf dem Cover des Albums tritt das Orchester  unter dem Kürzel „C.U.B.A.“ auf und macht somit gleich klar, wo sich die aus Mexiko stammenden Wahl-Iren die musikalische Unterstützung gesucht haben. Der Name ist allerdings etwas verwirrend, da neben den Kubaner noch mehrere Gastkünstler am Album mitgewirkt haben, die nicht aus Kuba, sondern auch aus den USA, Palästina und Indien stammen. Der grandiosen Qualität der Musik tut dies allerdings keinen Abbruch. Grundsätzlich kennt man die Lieder des Albums bereits von den vorherigen Aufnahmen. Diese wurden allerdings komplett neu interpretiert und eingespielt und beschreiben somit einen neuen musikalischen Weg von „Rodrigo y Gabriela“.

Neue Impulse für Klassiker


So entstand in Zusammenarbeit mit „C.U.B.A.“ eine wundervoll melodische, wie auch kraftvolle Version des „RodGab“-Klassikers „Diablo Rojo“. Neben dem typischen gefühlvollen Gitarrenspiel Rodrigos und der antreibenden Rhythmusperkussion Gabrielas vollenden kubanische Klänge von Flügel und Blechbläsern das Lied des „roten Teufels“ – ein absoluter Hörgenuss.
Ebenso hörenswert aber auch ungewohnt ist die „Area 52“-Variante von „Ixtapa“ neben den kubanischen Jazzklängen von „C.U.B.A.“ ertönen ungewohnte indische Klänge einer Sitar, wunderbar gespielt von Anoushka Shankar. Dies wirkt im ersten Moment vielleicht etwas unpassend, beim abermaligen anhören ist eben diese untypische Kombination ethnischer Klänge der besondere Reiz dieser Interpretation und bringt den Hörer unweigerlich zum Träumen.
Aber auch ihren Wurzeln, den härteren Tönen des Heavy Metal, schwören „RodGab“ nicht ab. In Zusammenarbeit mit Drummer John Tempesta, der unter anderem für Rob Zombie tätig war, entstanden deutlich explosivere Varianten der Songs „Hanuman“ und „Tamacun“. Auch wenn der Stil noch sehr weit entfernt von Heavy Metal ist, merkt man im Vergleich zu den Originalen deutlich den Einfluss von Tempesta. Manch ein Fan mag sich an diesen Lieder bereits satt gehört haben, aber dank der Neuinterpretationen bieten diese Songs wieder neue Höranreize ohne den Charme der ursprünglichen Varianten zu verlieren.

Weltklasse


© Rodrigo y Gabriela / www.rodgab.com
Manch ein Fan mag bemängeln, dass das typische Spiel von „RodGab“ in der Orchestermusik nicht so gewohnt präsent ist. Dies mag stimmen, ist aber für den Hörgenuss nicht abträglich, da die Gitarristen eine perfekte Symbiose mit den anderen Musikern eingehen. Neben „C.U.B.A.“, Shankar und Tempesta verwöhnen weitere hochkarätige Künstler, wie die palästinensischen Oud-spielenden Brüder von „Le Trio Joubran“, die Ohren der CD-Käufer.

„Area 52“ ist, wenn man so sagen kann, „großes Kino für die Ohren“. Songs mit lateinamerikanische Rhythmen, gemixt mit kubanischem Jazz, untermalt von arabischen und indischen Klängen sind akustische Leckerbissen und somit gehört „Area 52“ in jedes gut sortierte CD-Regal.

Bei Amazon könnt ihr in das Album reinhören.

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